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Mehr als essen in der Vesperkirche

Endlich hat Tübingen seine Vesperkirche. So habe ich mir das vorgestellt: ein offener weiter Raum, erfüllt von Gesprächen, lebendig, keiner sitzt alleine, Ältere schweigen, SchülerInnen kichern, Situierte und sichtbar Ärmere sitzen an Tischen im selben Raum, essen das Gleiche, trinken das Gleiche. Ein kurzer Moment des Aussetzens von Klassifizierung, Abgrenzung, Ächtung. Im Gegenteil. Selbstverständlich einfach nur miteinander essen. Weil klar ist, was man hier tut, kann jeder sein, wie er ist und wird nicht gemessen an dem, was er hat.

Heute beim Mittagessen in der Martinskirche habe ich gesehen, wie Kirche zu einem wirklichen „Ort der Öffentlichkeit wird, einlädt zu Aufenthalt, Austausch und Kommunikation“. Dies ist Leitlinie dieser Stadt, verabschiedet vom Gemeinderat 2003 in den „Leitlinien für nachhaltige Stadtentwicklung“ – aber nicht für Kirchen, sondern für Stätten der Kultur. Wenn schon nicht die Theater, Konzerträume, Museen und Kinos sich auch so öffnen, dann könnten sie ja an diesen Ort kommen. Kultur in der Vesperkirche? Reutlingen hat es schon längst vorgemacht. Das werde ich in den Tübinger Runden Tisch Kultur als Anregung für 2011 einbringen. Ich bin mir sicher, dass sich Tübinger KünstlerInnen finden, die Teilhabe an Kultur möglich machen wollen. Und Herr Heilemann, Initiator unserer Vesperkirche, freut sich schon darauf. Das hat er mir persönlich erklärt. Ein Dankeschön an ihn und an die 200 ehrenamtlichen HelferInnen für diesen wertvollen Beitrag zu unserer Stadt!

evelyn.ellwart@al.gruene.de

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