Posts tagged Sport

Frauenfußball – muß man(n) da beim Sieg weinen?

Ich gelte ja als der Sportler in der AL/Grünen Gemeinderatsfraktion und überhaupt im Gemeinderat, was aufgrund meiner sportlichen Aktivitäten auch berechtigt ist.

Als Triathlet der seit 1986 kontinuierlich jedes Jahr mehrere Wettkämpfe bestreitet und darunter schon 10 Mal über die Ironman Distanz gefinishet hat, im Herbst den Kick beim Mountainbiken auf kniffeligen Pfaden sucht, im Winter auf den Skatingski die Loipe entlang flizzt und auch sonst vor nichts zurückschreckt wenn Ausdauer notwendig ist, bin ich schon etwas anders als Andere drauf und muß mich mit meinen Leistungen nicht verstecken.

Aber, eigentlich kann ich sportlich nichts anderes als mich schinden und quälen um ins Ziel zu kommen und alles wozu man sportliches Geschick benötigt fällt mir schwer und ich mache nur eine bescheidene Figur.

Dem entsprechend wurden meine sportlichen Leistungen in der Schule immer mit „Leibesübung befriedigend“ bewertet und beim Straßenkicken  wollte mich keiner in der Mannschaft. Dennoch spielte (murkste) ich beim SV 03 Tübingen ich in der D und C Jugend in der Zweiten Mannschaft. Die Kickerei gab ich allerdings schnell auf was auch besser so war. Ein Comebackversuch, fast 30 Jahre später, beim einem Spiel der Reutlinger und Tübinger Politik gegen die Kultur, endete kläglich.

Im Gegensatz zu anderen Männern verfüge ich über keine „Bundestrainerqualitäten“ verfolge die Bundesliga nicht detailliert und mit fachmännischen Bemerkungen, kenne oftmals nicht einmal den genauen Tabellenstand und bin zugegeben nicht mal in der Lage die Spieler meines Lieblingsclubs, des FC Bayern München, zu nennen.

Aber, ich bin Patriot. Und zwar ein ganz Großer! Ich verfolge seit Kindheitstagen jedes EM- und WM Turnier, bewundere die Eleganz und das spielerische Geschick der Könner und bin beeindruckt von den Kommentaren der Experten. Ich selbst bin überaus emotional und daher von der Leidenschaft der Fans und der Atmosphäre in den Stadien berührt und beeindruckt.

Sternstunden meines Lebens waren als 1974 der Bomber (Gerd Müller) den Siegtreffer gegen die Holländer erzielte und Deutschland und somit auch ich, im zarten Alter von 12 Jahren schon Weltmeister wurde. Unvergesslich auch die Szene als 1990 in Rom Franz Beckenbauer, nach dem 1:0 Sieg im WM Endspiel gegen Argentinien, alleine über den heiligen Rasen schritt und ich erlebte wie der „Kaiser“ sich zum „unsterblichen deutschen Fußballgott“  erhob.

Als ich neulich eine Radtour an der Schweizer Grenze machte, dachte ich darüber nach warum ich die Stadt Singen kenne. Warum wohl? In diesem kleinen unscheinbaren Städtchen hielt, am 5. Juli 1954, der Sonderzug der unsere Helden, die das „Wunder von Bern“ vollbrachten, erstmals auf deutschem Boden. Und zigtausende Jubelten.

Ich will aber auch erwähnen dass ich zu den Traumatisierten gehöre die, 1978 live die „Schmach von Cordoba“ mitmachten und bis heute von diesem Spiel verfolgt werde. Noch immer meine ich den Jubel des Österreichischen Kommentators zu hören der glaubte „narrisch“ zu werden vor Glückseligkeit beim Sieg über uns „Piefkes“ . Es hat viele Jahre gedauert und viel Überwindung gekostet bis ich erstmals freiwillig die Österreichische Grenze zum Ski- und Radfahren überschritt. Inzwischen bin ich zweimaliger Finisher des Ironman Austria und war sogar zwei Mal zum Familienurlaub im Nachbarland und finde die Öschis mittlerweile teils gar nicht mal so unsympathisch. Aber beim Spiel unserer Mannschaft gegen die Österreicher endet das bisschen Symphatie. Verlieren gehört auch zum Fußball. Egal gegen wen? Von mir aus sollen auch mal andere gegen uns gewinnen dürfen, bei Freundschaftsspielen und wenn’s für uns kein Problem ist. Nicht aber die „Schluchtenscheißer“. Die nicht! Nie wieder verlieren gegen Österreich. Bitte, nie wieder!

Frauenfußball? Stimmt,  den soll es auch geben.

Eigentlich logisch dass Frauen auch Fußball spielen können sollen, zwei Beine haben die ja auch. Und mit denen können die auch was anfangen, es gibt ja besipielsweise auch Frauen die Leichtathletik betreiben. Niemand findet das komisch und alle jubeln wenn die gewinnen.

Ich erinnere mich beispielsweise ganz positiv an meine ersten Frauensporterlebnisse während der Olympischen Spiele 1972 in München als Heide Rosendahl Gold im Weitsprung holte und die 16jährige Ulrike Meyfahrt sensationell den Hochsprung gewann. Da war ich im Fernsehen live, aber noch in Schwarz-Weiß dabei. Und Skifahren kann das zarte Geschlecht, wie ich 1976 lernte als unsere „Gold Rosi“ in Innsbruck die damals noch geteilte Nation bei der Winterolympiade mit zwei Mal Gold und einmal Silber im Ski Alpin beglückte, während die Männer jahrzehntelang nur hinterher rutschten. Und Steffi und Boris. Ach, war das ein badisches und symphatisches Doppelglück. Unser Tennis-Traumpaar um das uns die ganze Welt beneidet hat. Hätte Boris noch die Steffi geheiratet wäre alles super perfekt gewesen.

Aber, Frauen und Fußball?
Gehört habe ich davon erstmalig als im Ortsteil Unterjesingen irgendwann in den 80er Jahren die Frauen das Runde ins Eckige gebracht haben sollen. Einen Kalender haben die von sich drucken lassen und haben wohl, ich habe ihn leider nicht gesehen, darauf gut ausgesehen!

Ach ja, Witze habe ich gehört von „kickenden Mannsweibern“ und „Trikottausch“ und so Sachen.  Die Witze habe ich vergessen. Nicht vergessen habe ich allerdings dass die Mädels im Mädelwettbewerb sogar Weltmeisterinnen geworden sind. Und das gleich zwei Mal und sogar hintereinander. Nicht schlecht. Ich muß allerdings ehrlich zugeben dass ich diese Turniere nur am Rand verfolgt habe. Da wurde auch nicht so viel in der Glotze gezeigt. Immerhin, unsere Frauen sind fast so gut wie unsere Männer. Deren Trikot wird allerdings von drei WM Sterne geziert und gäbe es Vize-WM Sterne würde die Brustbreite gar nicht ausreichen. So toll sind wir!

Und jetzt wird die Frauenfußball  Weltmeisterschaft in Deutschland ausgetragen. Im Land des „Sommermärchens 2006“. Bei uns Perfektionisten, den Weltbesten in der Organisation von Großveranstaltungen. Da wollen wir und da werden wir wieder beweisen: wir können nicht nur organisieren, unsere Frauen können auch spielen und siegen. Unsere Frauen werden das Tripel perfekt machen, also drei Mal hintereinander den Titel holen. Schließlich sind unsere Frauen besondere Frauen. Das erkannte schon Hoffmann von Fallersleben der unsere Frauen im in der zweiten, allerdings wenig bekannten, Strophe, des „Lieds der Deutschen“ würdigte.

Die besten Fans sind wir Deutschen! Das wollen wir wieder beweisen. Irgendwie sind auch unsere Frauen in der AL/Grünen Gemeinderatsfraktion von dieser kollektiven Aufgabe beseelt worden und auf Initiative von Fraktionschefin  Uli Baumgärtner organisierte wie immer unsere unermüdliche Bürofachkraft Stella Tauber der eigentlich der Titel „Schafferin und Macherin“ zusteht, das mir und vielen anderen unbekannte Lokal „Africa“ als Austragungsort des ersten Al/Grünen Fußball Public Viewing. Susanne Bächer gestaltete eine sehr schöne Werbekarte und Evelyn Ellwart-Mitsanas verwirklichte den Druck derselben.

Bei so viel Frauenpower können und wollen auch wir Männer unseren Teil beitragen. Wir sind ja schließlich Experten und Fußballfans. Die Aufgabe lautet:„Auf ins „Africa“, die Frauen anfeuern und denen zum Sieg verhelfen“. Zur Belohnung für unseren Beistand erwarten wir natürlich auch das Sehen von gelungenen Spielzügen, viele Tore und attraktiven Mädels. Egal ob auf dem Spielfeld oder in der Fankurve.

Als Verstärkung wollte ich natürlich wie immer die ganze Familie einspannen. Meine Familie ist ja schließlich turniererprobt. Nicht überrascht war ich, daß unsere wenig sportliches Interesse zeigende Sohn Friedrich (16 Jahre) gleich erklärte das er nicht zum Eröffnungsspiel mitkommen werden. Absolut unverständlich und in keinster Weise nachvollziehbar war für mich jedoch die Weigerung unseres jüngeren Sohn Julius (13 Jahre) sein DFB Trikot anzuziehen. Julius ist absolut fußballverrückt und kann nicht nur wirklich kicken (spielt beim SV03 in der Abwehr der C-Jugend) sondern ist auch absoluter Fußballexperte der detailliert das nationale und internationale Fußballgeschehen, zu Lasten seine schulischen Engagements, verfolgt und analysiert.

Julius schaut die Spiele des VfB grundsätzlich zu Hause, wie im Stadion im VfB Trikot an und wurde bisher natürlich auch immer wieder, wie sein Bruder Friedrich mit einem passenden und aktuellen Dress unserer Deutschen Nationalmannschaft, ausgestattet. Julius meinte, das wäre nicht der richtige Fußball und er findet es doof wenn er mit seinem Trikot das mit dem Spielernamen „Lahm“ versehen ist, jetzt zum Frauenfußball geht. Trotz harter und intensiver Diskussion konnte ich mich nicht durchsetzten und Julius ging mit einen neutralen T-Shirt bekleidet mit Jutta und mir ins „Africa“.

Dort war ich gleich mehrfach positiv überrascht. Zum einen stellte sich heraus dass die Lokalität hervorragend für Public Viewing geeignet ist und gut besucht war, dass hinterm Tressen ein alter Feuerwehrkamerad aus Lustnau bediente was ich in einem afrikanischen Lokal nicht vermutet hätte, das die Stimmung bei den vielen anwesenden weiblichen und männlichen Fans hervorragend war und dass unsere Frauen tollen Fußball spielen können.

Anwesend war natürlich auch mein, zwar schwergewichtiger aber dafür Fußball spielen könnender Kollege, Stadtrat Heinrich Schmanns. Ex-Handballer Heinrich und der ehemalige Handballschiedsrichter und jetzige Grüne Landtagsabgeordnete Danie Lede Abal begrüßten die Anwesenden.

Heinrich war auch nicht alleine da. Er brachte Sohn Paul mit. Interessant, im Hause Schmanns muß es eine ähnliche Diskussion gegeben haben, denn Heinrichs Sohn Paul ist ebenfalls ohne DFB Trikot zum Gucken gekommen. Heinrich war dafür im WM Retrodress von 1954 da und ich mit der Nummer 14 und „Schroeder“ auf dem Rücken des 2010 Weltmeisterschafts Trikot. Wir beide sind ja schließlich Fußballpatrioten.

Während die Mädels in Berlin im ausverkauften Olympiastadion herrlichen Fußball zeigten und wir Fans in Tübingen beglückt zuschauten, kamen mir immer wieder unbeantwortete Fragen in den Sinn:

Gibt es eine Fußballpatriotismus männlich oder weiblich?
Macht es einen Unterschied ob das Adlertrikot eine haarige Männerbrust verdeckt oder einen anmutigen Busen?
Warum gibt es so eine Diskussion beim Fußball?

Und noch eine überraschende Frage zeigte sich beim Heimradeln vom siegreichen Spiel, dem auch Experte Julius seinen Segen gab, durch die Stadt. Wo ist der hupende und jubelnde Autokorso? Nur ein Auto ist uns begegnet das einsam an einer roten Ampel stand mit ein paar hilflos wirkenden Insassen die uns zaghaft ihren Fähnchen zuwinkten.

Und auf eine weitere, hoffentlich kommende biologische Frage bin ich persönlich auch gespannt. Werde ich beim Gewinn des dritten Weltmeistertitels unserer Frauen, wenn unsere  Spielerinnen den Pokal in den Händen halten und Deutschland in einem Schwarz-Rot-Goldenen Freudentaumel versinkt, weinen müssen?

Verdammt lang her, damals 1990 als nach Mauerfall und Wiedervereinigung wir Männer zur Krönung auch noch Fußballweltmeister wurden. War das ein Jubel, war das ein Glück. Allein die Erinnerungen an dieses unbeschreibliche und erhabene Gefühl reicht um mir die Tränen in die Augen zu drücken.

bernd.gugel@al.gruene.de

Advertisements

Leave a comment »

Frauen-WM Live im Africa

Es geht weiter!!!!!

Am Samstag, den 9. Juli um 20.45 Uhr im „Africa“!

Wir laden herzlich ein zum gemeinsamen Schauen und Feiern der deutschen Fußball-Frauen! Und zwar ins „Africa“, Schlachthof Tübingen.

Am Sonntag, den 26.6. um 18 Uhr.

Am Donnerstag, den 30.6. um 20. 45 Uhr.

Am Dienstag, den 5. Juli um 20.45 Uhr.

Und natürlich zu allen Folgespielen der siegreichen deutschen Super-Spielerinnen!

Zu allem bietet das „Africa“ Leckeres vom Live-Grill!

evelyn.ellwart@al.gruene.de

Comments (1) »

Im Ki-Dojo tut sich was

Die Gemeinderatsfraktionen waren am 18.3. geladen zum Besuch im Ki-Dojo, gekommen sind nur 2. Immerhin. CDU und AL/Grüne – in seltener Eintracht hier. Ein tolles Projekt: Gewaltprävention und Sinnstiftung für Jugendliche, Kinder und Erwachsene. Mehrere Kampfkünste unter einem Dach in schönen japanisch anmutenden Räumen- ein richtiges Dojo eben: Haus für den „Weg“.

Das Ki-Dojo kooperiert mit Schulen: der Rudolf-Leski-Schule, der französischen Schule, der Walter-Erbe-Realschule – so werden die Räume vormittags genutzt. Auch mit TIMA und den Pfunzkerlen. Abends finden Kurse statt, zu denen Kinder und Jugendliche bevorzugt aus dem Loretto und der Südstadt kommen. Außerdem werden Jugendliche und junge Menschen mit Gewaltproblemen speziell betreut und in die ihnen entsprechenden Kampfkünste weitergeschickt. (siehe Konzeption). Davon gibt es im Haus Aikido, Karate, Kickboxen, Schwertkunst, Taekwando und Shin Do.

Dreh- und Angelpunkt des Hauses und auch dieser Form der Jugendhilfe ist Urgestein Willi Niethammer, Sozialarbeiter bei der Stadt Tübingen. Um den Übergang für die Zeit nach seinem Ausscheiden in die Rente (in ein paar Jahren) „ohne ihn“ zu schaffen, ist nun ein Verein in der Gründungsphase – „bürgerschaftliches Engagement“ – das heißt 25 (erwachsene) Schüler und Schülerinnen haben sich zusammengetan, um das Haus zu halten. Vereinsvorsitz hat Christine Jerabek, auch Schülerin, die die Zukunft des Ki-Dojo auch in der Ausweitung des Angebots für Senioren sieht. Die um die Ecke gelegene vhs nutzt die Räume auch schon mit.

Der Verein wartet nun auf seine Genehmigung und dann kann es weiter gehen: Nutzungsvertrag für die Räume von der Stadt, möglicherweise einen Ausleihvertrag für den Sozialarbeiter Niethammer bis zu seiner Rente, möglicherweise einen Mietkostenzuschuss – das sind die Dinge, über die dann mit der Stadt und dem Landkreis verhandelt werden müssen. Grundlage werden auch die transparenten Einnahme- und Ausgabenberechnungen der Vergangenheit sein. Denn: die Stadt hat das Haus nicht saniert und die Heizkosten sind hoch insbesondere seit der Nutzung durch die Untermieter Hebammenschule und Zamabaioni im Unterstock des Hauses. Ein Wirtschaftsplan soll erstellt werden und Unterstützer werden gesucht.

Die Fraktion AL/Grüne unterstützt das bürgerschaftliche Engagement aktiv: ich bin dem Verein spontan beigetreten – als Schwarzgurt-Karateka eine Selbstverständlichkeit.

evelyn.ellwart@al.gruene.de

Leave a comment »

Rad- und Inlineweg Ammertal

Den Radweg durchs Ammertal kennen sicher viele und wissen daher  daß der Asphalt super grob ist. Beim Radfahren rollts deutlich schlechter und wer die Strecke mal mit Inliner versucht hat wird’s kaum wieder tun. Der Asphalt ist für Inlinen absolut ungeeignet. Zudem weist ein Teil des Weges im Bereich Unterjesingen auch deutliche Schäden auf. Dabei wäre die Strecke durchs Ammertal nach Unterjesingen für’s Inlinen sehr attraktiv, da fast flach, landschaftlich reizvoll und zudem fast unverbaut. Seit vielen Jahren schwebt mir eine feine Asphaltierung der Strecke vor um für Radfahrer und vor allem für Inliner bessere Bedingungen zu schaffen. Die Ammertalstrecke wäre das Gegenstück zu der überaus beliebten Inliner Strecke Lustnau – Kirchentellinsfurt im Neckartal.

Auf meine Anregung hin hat Boris Palmer die Idee 2005 in sein Wahlprogramm aufgenommen. In der Gemeinderatssitzung am 17. Mai 2010 habe ich einen Antrag gestellt um die Machbarkeit und die Kosten für das Projekt zu ermitteln. Mir schwebte eine kostengünstige Variante vor, da der Weg doch eigentlich nur oberflächlich veredelt werden müßte, denn die Basis ist weitgehend in Ordnung.
Leider ist auch dies erschreckend teuer. Rund 110 000 Euro würden die knapp drei Kilometer kosten. Also fast den ganzen Etat von 150000 Euro der für den Radwegebau jährlich vorgesehen ist. Aber, das Projekt ist dennoch in überraschend schneller Weise in den Planungsausschuß des Gemeinderates gekommen. Allerdings nur als Alternative zu anderen Maßnahmen.

Im Planungsauschuß am 7. Juni beschlossen wir jedoch bis Herbst abzuwarten und dieses Jahr kein wesentliches Projekt anzufangen, denn nach längerer Arbeitszeit wird da eine externe Firma eine Konzeption auf den Tisch legen wie das Radwegenetz in Tübingen mittel- und langfristig aussehen könnte.
In diesem neuen Radwegekonzept werden wir im Gemeinderat dann festlegen was überhaupt und in welcher Reihenfolge in den nächsten Jahren verwirklicht werden soll. Dieses Jahr werden wir die 150000 Euro also ziemlich sicher nicht ausgeben und für die Investitionen in den nächsten Jahren bereitstellen. Lediglich ein Radwegteil in der Reutlinger Straße wird aus Mitteln von 2009 dieses Jahr gebaut.
Trotzdem der Ammertalradweg mein „Lieblings Radwegeprojekt“ ist, finde ich diese Vorgehensweise sinnvoll. Der Ausbau des Tübinger Radwegenetz ist wichtiger als bestehende Strecken zu verbessern. Ich werde mich aber dafür einsetzen daß der Ammertalradweg in der Prioritätenliste aufgenommen wird.
Ich will ja noch selbst in diesem Leben im Ammertal auf feinem Asphalt inlinen und mit dem Rennrad geräuschlos und elegant rollen. Und ich bin mir sicher, diesen Wunsch haben auch andere.

bernd.gugel@al.gruene.de

Leave a comment »

Afrika Festival – Podiumsdiskussion

Samstag, 5. Juni 2010. Der Schotter auf dem Festplatz glüht in der Hitze, denn mit dem Afrika Festival kamen die ersten heißen Tage nach Tübingen. Am Rand des Platzes sind einige Dutzend Stände aufgereiht, an denen man Schmuck und afrikanische Schnitzereien kaufen kann. Auf der großen Bühne werden die Eröffnungsreden gehalten. Die Organisatorin des Festivals, Susan Muyang, spricht, unser OB, (der einzige oder fast der einzige Hellhäutige auf der Bühne, schwarz gekleidet), und der Stellvertreter des tansanischen Botschafters (farbenprächtig gekleidet wie die andern Afrikaner). Es folgt Trommelmusik, eine Gruppe von Afrikanerinnen tanzt darauf mit großer Freude und Ausdruckskraft. Sie heben die Knie weit nach oben, treten schnell und heftig auf den Boden und machen dabei Kreisbewegungen mit den Armen. Wir weißen Zuschauer sitzen etwas ermattet von der unerwarteten Hitze auf unsren Bierbänken und bewundern sie. Dann geht es zur Podiumsdiskussion in eines der Zelte, und über die möchte ich eigentlich berichten.

Auf dem Podium sitzen drei dunkelhäutige und drei hellhäutige Menschen, darunter die Moderatorin, Susanne Babila vom SWR.

Das Thema: “Sport als starker Integrationsmotor, um Rassenunterschiede zu überwinden und eine neue Identität zu schaffen.

Emile Yadjo-Scheuerer, Mitglied im Gemeinderat Ottersweier bei Baden-Baden, spricht Deutsch auf typisch badische Weise, immer mit einer kleinen Melodie. Er ist mit elf Jahren aus einem afrikanischen Land nach Ottersweier gekommen und betont, dass er über den Sport den Zugang zu anderen Kindern und Jugendlichen bekommen hat. Beim Fußball sei es egal, woher einer kommt, wenn er nur spielen könne.

Dr. Yvette Kibuh, Ärztin ist, als sie frisch hierher kam, oft auf Fußballer aus Kamerun angesprochen worden. Für Deutsche sei Kamerun das Land der Fußballer und des Bieres. Und beides sei den Kamerunern auch wirklich sehr wichtig. Alle verfolgen die Fußballspiele, auch ihre Oma. Überhaupt: Afrikanische Studenten träfen sich in Deutschland am Wochenende häufig und gerne zum Fußballspielen.

Dr. Mabanza von der Kirchlichen Arbeitstelle Südliches Afrika (KASA) meint,

volkswirtschaftlich gesehen hätten die Südafrikaner keinen direkten Gewinn an der WM, wer Gewinn habe, sei die Fifa und einige Konzerne, an die sie Konzessionen vergibt. In Afrika seien überall, wo viele Menschen zusammenkommen, Händler unterwegs, die zu Essen und zu Trinken anbieten, so auch bei Sportereignissen. Aber die Fifa habe durchgesetzt, dass in den WM-Stadien und im Umfeld von 800m keine Händler agieren dürfen außer denen, die eine Konzession von der Fifa bekommen haben, also z.B. McDonalds und Coca Cola. Die örtlichen Händler machten also kein Geschäft – oder eben nur mit den Besuchern, die bereit sind, sich von den Stadien zu entfernen.

Ein langfristiger Vorteil für die Südafrikaner sei die Verbesserung der Verkehrswege.

Ganz Afrika freue sich, dass die Fußballweltmeisterschaften jetzt erstmals in Afrika stattfinden und das stärke das afrikanische Selbstbewusstsein.

Weiter berichtet er: Weil einige europäische Profifußballer aus Afrika stammen, fänden junge Afrikaner die Vorstellung, in Europa Profi-Fußballspieler zu werden, sehr verlockend. Es gäbe Menschenhändler, die den Familien diese Idee schmackhaft machen, und ihnen für ihre Vermittlung große Summen abknöpfen. Oft verkaufe die Familie Haus und Vieh, also ihre Lebensgrundlage, um einem Sohn diese Möglichkeit zu bieten. Angekommen in Europa sei der Vermittler plötzlich verschwunden und der junge Mann stehe allein da, illegal eingereist, mittellos in der Fremde. Einfach zurückreisen käme nicht in Frage – nachdem die Familie alles für die Karriere ihres Sohnes drangegeben hat. Nur 0,5% der jungen Afrikaner, die mit der Fußballvision nach Europa kommen, werden tatsächlich Profi-Fußballer, so Mabanza.

(Dr. Boniface Mabanza hat eine Buch geschrieben „Gerechtigkeit kann es nur für alle geben“, in dem er die Globalisierung aus afrikanischer Sicht kritisiert.)

Kurt Gerhardt, Journalist und Mitunterzeichner des Bonner Aufrufs:

Afrika habe zwei Arten von Kolonialisierung über sich ergehen lassen müssen. Die erste, uns allen bekannte Kolonialisierung ging ja bis ca. 1960, danach sei die zweite Kolonialisierung gekommen, die der Wohlfahrtsorganisationen. Er rufe allen Afrikanern zu: „Werft die Entwicklungshilfeorganisationen endlich aus eurem Kontinent raus! Nehmt eure Entwicklung selbst in die Hand!“ Zum Vergleich erwähnt er den Marshallplan, die amerikanische Wiederaufbauhilfe für Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg; der Marshallplan währte drei oder vier Jahre. Die Aufbauhilfe der westlichen Industrieländer für Afrika hingegen laufe schon Jahrzehnte lang. Er erwähnt, dass die Budgets vieler afrikanischer Staaten zu 80 bis 90 Prozent aus Entwicklungshilfegeldern bestünden. Das fördere nicht die Verantwortung des Volkes für seinen Staat, sondern eher die Korruption.

(Der Bonner Aufruf fordert ein Umdenken in der Entwicklungspolitik. Er beklagt, dass Entwicklungshilfe Verantwortungen an sich gezogen hat, und fordert, dass Afrikaner die Verantwortung für Afrika übernehmen sollen.)

Klaus Weingärtner, Stiftung Entwicklungszusammenarbeit in Baden-Württemberg fragt die drei afrikanischen Menschen auf dem Podium: „Warum leben und arbeiten sie hier in Deutschland? Warum kehren Sie nicht nach Hause zurück? Dort werden Sie, die Sie gut ausgebildet sind, doch dringend gebraucht!“

Dr. Yvette Kibuh Frau Dr. Kibuh, Ärztin, verteidigt sich, sie sei bereits dabei, ein Krankenhaus in ihrer Heimat aufzubauen. Sie arbeite zwei bis drei Monate im Jahr dort. Sie habe jüngere Geschwister und fünfzehn Cousins und Cousinen. Für fünf von ihnen zahle sie das Schulgeld, dann könnten die eines Tages z.B. ein Taxi fahren oder ein Friseurgeschäft aufmachen. Würde sie immer in Kamerun arbeiten, würde sie höchstens ein Drittel verdienen und könnte die jüngeren Verwandten nicht fördern. Viele Diaspora-Afrikaner schickten Geld in ihre Heimat. Das wäre aber nicht im allgemeinen Bewusstsein. Wenn ein europäischer Staat eine Schule in Afrika baue, würde die Entscheidung groß gefeiert. Manchmal würde es aber gar nicht zum geplanten Bau kommen. Die Unterstützung durch die  Diaspora-Afrikaner finde eher im Verborgenen statt, bewirke aber viel mehr als die offiziellen Förderprojekte. Das gelte für ihr Land, Kamerun, besonders, weil der dortige Präsident schon 27 Jahre lang regiert, und der Staat sich nicht besonders für die Belange des Volkes interessiere.

Am Schluss wollte ich wissen, was diese Beobachtungen und Meinungen für die Partnerschaft zwischen Tübingen und Moshi bedeuten. Die Moderatorin gab meine Frage an den stellvertretenden Botschafter von Tansania weiter, der auf Englisch antwortete, dass es nicht nur um die Zusammenarbeit der Institutionen, sondern um die der Menschen gehe. Das hatte er so auch in seiner Begrüßungsrede gesagt.

susanne.baecher@al.gruene.de

Comments (2) »