Posts tagged Sozialarbeit

Im Ki-Dojo tut sich was

Die Gemeinderatsfraktionen waren am 18.3. geladen zum Besuch im Ki-Dojo, gekommen sind nur 2. Immerhin. CDU und AL/Grüne – in seltener Eintracht hier. Ein tolles Projekt: Gewaltprävention und Sinnstiftung für Jugendliche, Kinder und Erwachsene. Mehrere Kampfkünste unter einem Dach in schönen japanisch anmutenden Räumen- ein richtiges Dojo eben: Haus für den „Weg“.

Das Ki-Dojo kooperiert mit Schulen: der Rudolf-Leski-Schule, der französischen Schule, der Walter-Erbe-Realschule – so werden die Räume vormittags genutzt. Auch mit TIMA und den Pfunzkerlen. Abends finden Kurse statt, zu denen Kinder und Jugendliche bevorzugt aus dem Loretto und der Südstadt kommen. Außerdem werden Jugendliche und junge Menschen mit Gewaltproblemen speziell betreut und in die ihnen entsprechenden Kampfkünste weitergeschickt. (siehe Konzeption). Davon gibt es im Haus Aikido, Karate, Kickboxen, Schwertkunst, Taekwando und Shin Do.

Dreh- und Angelpunkt des Hauses und auch dieser Form der Jugendhilfe ist Urgestein Willi Niethammer, Sozialarbeiter bei der Stadt Tübingen. Um den Übergang für die Zeit nach seinem Ausscheiden in die Rente (in ein paar Jahren) „ohne ihn“ zu schaffen, ist nun ein Verein in der Gründungsphase – „bürgerschaftliches Engagement“ – das heißt 25 (erwachsene) Schüler und Schülerinnen haben sich zusammengetan, um das Haus zu halten. Vereinsvorsitz hat Christine Jerabek, auch Schülerin, die die Zukunft des Ki-Dojo auch in der Ausweitung des Angebots für Senioren sieht. Die um die Ecke gelegene vhs nutzt die Räume auch schon mit.

Der Verein wartet nun auf seine Genehmigung und dann kann es weiter gehen: Nutzungsvertrag für die Räume von der Stadt, möglicherweise einen Ausleihvertrag für den Sozialarbeiter Niethammer bis zu seiner Rente, möglicherweise einen Mietkostenzuschuss – das sind die Dinge, über die dann mit der Stadt und dem Landkreis verhandelt werden müssen. Grundlage werden auch die transparenten Einnahme- und Ausgabenberechnungen der Vergangenheit sein. Denn: die Stadt hat das Haus nicht saniert und die Heizkosten sind hoch insbesondere seit der Nutzung durch die Untermieter Hebammenschule und Zamabaioni im Unterstock des Hauses. Ein Wirtschaftsplan soll erstellt werden und Unterstützer werden gesucht.

Die Fraktion AL/Grüne unterstützt das bürgerschaftliche Engagement aktiv: ich bin dem Verein spontan beigetreten – als Schwarzgurt-Karateka eine Selbstverständlichkeit.

evelyn.ellwart@al.gruene.de

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„Jugendliche mit Migrationshintergrund hinken bei Bildung deutlich hinterher“

Die von mir hier gewählte Überschrift ist eine Schlagzeile, die uns ständig begegnet. Wir müssen endlich etwas tun, um diese Schlagzeile zu ändern. Bildung ist sehr wichtig. Bildung ist Zukunft. Wenn wir unsere Zukunft retten wollen, müssen wir für die Zukunft investieren.

Unsere Zukunft, das sind auch die Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Sie brauchen von staatlicher wie auch von ehrenamtlicher Seite mehr Unterstützung. Chancengleichheit für Migrantenkinder ist erst verwirklicht, wenn es genügend Förderung und speziell Fachpersonen für sie gibt.

Mit dem Thema „Bildung“ haben wir uns im türkischen Verein  beschäftigt. Wir haben nach Ideen gesucht, wie man den Anteil der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund an Realschulen und Gymnasien erhöhen kann. Einer der zahlreichen Vorschläge war die Hausaufgabenbetreuung, die wir dann umgesetzt haben.

Im Laufe der Organisation der Hausaufgabenbetreuung habe ich in Gesprächen mit den Schulen erfahren, dass es im Bereich der Schulsozialarbeit an den Realschulen ein Defizit gibt. Ich habe für die Fraktion AL/Grüne beantragt, dass die Verwaltung im Gemeinderat darüber berichtet, inwieweit Schulsozialarbeit speziell auf Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihre Probleme eingeht. Bei der Diskussion dieses Berichts hat die Stadt zugegeben, dass es  hier einen großen Bedarf gibt, insbesondere an den Realschulen.

Die Schulsozialarbeit wird zum größten Teil von der Stadt finanziert. Das Landratsamt beteiligt sich mit 25 % an der Schulsozialarbeit in Grund-, Hauptschulen und Förderschulen. Eine Beteiligung an der Schulsozialarbeit in Realschulen lehnt der Landkreis bisher ab, mit der Begründung, dass dort keine gravierenden Problemlagen bestehen. Die Position des  Landratsamts widerspricht der Darstellung der Realschulen und der Stadtverwaltung diametral! Wer vor Ort ist, weiß dass es hier gravierende Probleme gibt und der Bedarf für Schulsozialarbeit an Realschulen da ist.

Es ist für Kinder mit Migrationshintergrund schon nicht einfach und nicht selbstverständlich, eine Empfehlung für den Besuch von Realschulen und Gymnasien zu bekommen. Wenn sie das dann geschafft haben, brauchen sie weiterhin die  Förderung und die Unterstützung von den für Sie verantwortlichen Personen. Das heißt auch, dass es an den Schulen Sozialarbeiter/innen geben muss, die geschult sind für die speziellen Schwierigkeiten und Lagen von Migrantenkindern. Dass sich das an unseren Schulen hier in Tübingen ändert, darauf will ich hinwirken.

Dann wird die Schlagzeile „Jugendliche mit Migrationshintergrund hinken bei der Bildung hinterher“, zumindest nicht mehr für Jugendliche aus Tübingen gelten.

aynur.soeylemez@al.gruene.de

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