Posts tagged Runder Tisch Kultur

7,3 Millionen. Viel Geld oder wenig Geld?

Tübingen muss sparen, das hat sich inzwischen überall herumgesprochen. Die Stadtverwaltung hat in ihrem Projekt „Minus 10 Prozent“ zahlreiche Vorschläge erarbeitet und nimmt keinen Bereich von den Kürzungen aus. Da ist es klar, dass sich viele Beteiligte und Betroffene zu Wort melden und um Zuwendungen kämpfen. So auch im Kulturbereich.

Statt zu sparen, solle man mehr Geld für Kultur bereitstellen, fordern Stimmen. Fünf Prozent des städtischen Haushalts sollten zukünftig in die Kultur gehen. Und auf dem Podium des Runden Tischs Kultur letzte Woche klagte die Kulturamtsleiterin, bislang seien es nur 3,4 Prozent des Etats. Das klingt tatsächlich mager.

Ein Blick in den Verwaltungshaushalt zeigt, dass ein laufender Zuschuss von 7,3 Mio Euro im Einzelplan Kultur bereit steht. Das klingt schon nicht mehr so mager. Aber was bedeutet das tatsächlich im Vergleich zum gesamten Haushalt? Um die Summe dessen zu ermitteln, was im Verwaltungshaushalt 2010 ausgegeben werden darf,  muss man beim Blick in den Haushaltsplan einige Posten ausser Acht lassen: so die Steuerumlagen, kalkulatorische Zinsen und innere Verrechnungen, die nur aus Gründen der Haushaltssystematik als Einnahmen und Ausgaben drinstehen, d.h. ein Wirtschaften von der einen in die andere städtische Tasche darstellen. Übrig bleiben über 97 Mio Euro, die zur Erfüllung aller Aufgaben im Verwaltungshaushalt zur Verfügung stehen. Der Kulturetat macht davon einen Anteil von 7,45 Prozent aus.

Wer 5 Prozent für die Kultur fordert, erweist ihr damit einen Bärendienst.


roland.de.beauclair@al.gruene.de

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Mehr als essen in der Vesperkirche

Endlich hat Tübingen seine Vesperkirche. So habe ich mir das vorgestellt: ein offener weiter Raum, erfüllt von Gesprächen, lebendig, keiner sitzt alleine, Ältere schweigen, SchülerInnen kichern, Situierte und sichtbar Ärmere sitzen an Tischen im selben Raum, essen das Gleiche, trinken das Gleiche. Ein kurzer Moment des Aussetzens von Klassifizierung, Abgrenzung, Ächtung. Im Gegenteil. Selbstverständlich einfach nur miteinander essen. Weil klar ist, was man hier tut, kann jeder sein, wie er ist und wird nicht gemessen an dem, was er hat.

Heute beim Mittagessen in der Martinskirche habe ich gesehen, wie Kirche zu einem wirklichen „Ort der Öffentlichkeit wird, einlädt zu Aufenthalt, Austausch und Kommunikation“. Dies ist Leitlinie dieser Stadt, verabschiedet vom Gemeinderat 2003 in den „Leitlinien für nachhaltige Stadtentwicklung“ – aber nicht für Kirchen, sondern für Stätten der Kultur. Wenn schon nicht die Theater, Konzerträume, Museen und Kinos sich auch so öffnen, dann könnten sie ja an diesen Ort kommen. Kultur in der Vesperkirche? Reutlingen hat es schon längst vorgemacht. Das werde ich in den Tübinger Runden Tisch Kultur als Anregung für 2011 einbringen. Ich bin mir sicher, dass sich Tübinger KünstlerInnen finden, die Teilhabe an Kultur möglich machen wollen. Und Herr Heilemann, Initiator unserer Vesperkirche, freut sich schon darauf. Das hat er mir persönlich erklärt. Ein Dankeschön an ihn und an die 200 ehrenamtlichen HelferInnen für diesen wertvollen Beitrag zu unserer Stadt!

evelyn.ellwart@al.gruene.de

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