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Frauenfußball – muß man(n) da beim Sieg weinen?

Ich gelte ja als der Sportler in der AL/Grünen Gemeinderatsfraktion und überhaupt im Gemeinderat, was aufgrund meiner sportlichen Aktivitäten auch berechtigt ist.

Als Triathlet der seit 1986 kontinuierlich jedes Jahr mehrere Wettkämpfe bestreitet und darunter schon 10 Mal über die Ironman Distanz gefinishet hat, im Herbst den Kick beim Mountainbiken auf kniffeligen Pfaden sucht, im Winter auf den Skatingski die Loipe entlang flizzt und auch sonst vor nichts zurückschreckt wenn Ausdauer notwendig ist, bin ich schon etwas anders als Andere drauf und muß mich mit meinen Leistungen nicht verstecken.

Aber, eigentlich kann ich sportlich nichts anderes als mich schinden und quälen um ins Ziel zu kommen und alles wozu man sportliches Geschick benötigt fällt mir schwer und ich mache nur eine bescheidene Figur.

Dem entsprechend wurden meine sportlichen Leistungen in der Schule immer mit „Leibesübung befriedigend“ bewertet und beim Straßenkicken  wollte mich keiner in der Mannschaft. Dennoch spielte (murkste) ich beim SV 03 Tübingen ich in der D und C Jugend in der Zweiten Mannschaft. Die Kickerei gab ich allerdings schnell auf was auch besser so war. Ein Comebackversuch, fast 30 Jahre später, beim einem Spiel der Reutlinger und Tübinger Politik gegen die Kultur, endete kläglich.

Im Gegensatz zu anderen Männern verfüge ich über keine „Bundestrainerqualitäten“ verfolge die Bundesliga nicht detailliert und mit fachmännischen Bemerkungen, kenne oftmals nicht einmal den genauen Tabellenstand und bin zugegeben nicht mal in der Lage die Spieler meines Lieblingsclubs, des FC Bayern München, zu nennen.

Aber, ich bin Patriot. Und zwar ein ganz Großer! Ich verfolge seit Kindheitstagen jedes EM- und WM Turnier, bewundere die Eleganz und das spielerische Geschick der Könner und bin beeindruckt von den Kommentaren der Experten. Ich selbst bin überaus emotional und daher von der Leidenschaft der Fans und der Atmosphäre in den Stadien berührt und beeindruckt.

Sternstunden meines Lebens waren als 1974 der Bomber (Gerd Müller) den Siegtreffer gegen die Holländer erzielte und Deutschland und somit auch ich, im zarten Alter von 12 Jahren schon Weltmeister wurde. Unvergesslich auch die Szene als 1990 in Rom Franz Beckenbauer, nach dem 1:0 Sieg im WM Endspiel gegen Argentinien, alleine über den heiligen Rasen schritt und ich erlebte wie der „Kaiser“ sich zum „unsterblichen deutschen Fußballgott“  erhob.

Als ich neulich eine Radtour an der Schweizer Grenze machte, dachte ich darüber nach warum ich die Stadt Singen kenne. Warum wohl? In diesem kleinen unscheinbaren Städtchen hielt, am 5. Juli 1954, der Sonderzug der unsere Helden, die das „Wunder von Bern“ vollbrachten, erstmals auf deutschem Boden. Und zigtausende Jubelten.

Ich will aber auch erwähnen dass ich zu den Traumatisierten gehöre die, 1978 live die „Schmach von Cordoba“ mitmachten und bis heute von diesem Spiel verfolgt werde. Noch immer meine ich den Jubel des Österreichischen Kommentators zu hören der glaubte „narrisch“ zu werden vor Glückseligkeit beim Sieg über uns „Piefkes“ . Es hat viele Jahre gedauert und viel Überwindung gekostet bis ich erstmals freiwillig die Österreichische Grenze zum Ski- und Radfahren überschritt. Inzwischen bin ich zweimaliger Finisher des Ironman Austria und war sogar zwei Mal zum Familienurlaub im Nachbarland und finde die Öschis mittlerweile teils gar nicht mal so unsympathisch. Aber beim Spiel unserer Mannschaft gegen die Österreicher endet das bisschen Symphatie. Verlieren gehört auch zum Fußball. Egal gegen wen? Von mir aus sollen auch mal andere gegen uns gewinnen dürfen, bei Freundschaftsspielen und wenn’s für uns kein Problem ist. Nicht aber die „Schluchtenscheißer“. Die nicht! Nie wieder verlieren gegen Österreich. Bitte, nie wieder!

Frauenfußball? Stimmt,  den soll es auch geben.

Eigentlich logisch dass Frauen auch Fußball spielen können sollen, zwei Beine haben die ja auch. Und mit denen können die auch was anfangen, es gibt ja besipielsweise auch Frauen die Leichtathletik betreiben. Niemand findet das komisch und alle jubeln wenn die gewinnen.

Ich erinnere mich beispielsweise ganz positiv an meine ersten Frauensporterlebnisse während der Olympischen Spiele 1972 in München als Heide Rosendahl Gold im Weitsprung holte und die 16jährige Ulrike Meyfahrt sensationell den Hochsprung gewann. Da war ich im Fernsehen live, aber noch in Schwarz-Weiß dabei. Und Skifahren kann das zarte Geschlecht, wie ich 1976 lernte als unsere „Gold Rosi“ in Innsbruck die damals noch geteilte Nation bei der Winterolympiade mit zwei Mal Gold und einmal Silber im Ski Alpin beglückte, während die Männer jahrzehntelang nur hinterher rutschten. Und Steffi und Boris. Ach, war das ein badisches und symphatisches Doppelglück. Unser Tennis-Traumpaar um das uns die ganze Welt beneidet hat. Hätte Boris noch die Steffi geheiratet wäre alles super perfekt gewesen.

Aber, Frauen und Fußball?
Gehört habe ich davon erstmalig als im Ortsteil Unterjesingen irgendwann in den 80er Jahren die Frauen das Runde ins Eckige gebracht haben sollen. Einen Kalender haben die von sich drucken lassen und haben wohl, ich habe ihn leider nicht gesehen, darauf gut ausgesehen!

Ach ja, Witze habe ich gehört von „kickenden Mannsweibern“ und „Trikottausch“ und so Sachen.  Die Witze habe ich vergessen. Nicht vergessen habe ich allerdings dass die Mädels im Mädelwettbewerb sogar Weltmeisterinnen geworden sind. Und das gleich zwei Mal und sogar hintereinander. Nicht schlecht. Ich muß allerdings ehrlich zugeben dass ich diese Turniere nur am Rand verfolgt habe. Da wurde auch nicht so viel in der Glotze gezeigt. Immerhin, unsere Frauen sind fast so gut wie unsere Männer. Deren Trikot wird allerdings von drei WM Sterne geziert und gäbe es Vize-WM Sterne würde die Brustbreite gar nicht ausreichen. So toll sind wir!

Und jetzt wird die Frauenfußball  Weltmeisterschaft in Deutschland ausgetragen. Im Land des „Sommermärchens 2006“. Bei uns Perfektionisten, den Weltbesten in der Organisation von Großveranstaltungen. Da wollen wir und da werden wir wieder beweisen: wir können nicht nur organisieren, unsere Frauen können auch spielen und siegen. Unsere Frauen werden das Tripel perfekt machen, also drei Mal hintereinander den Titel holen. Schließlich sind unsere Frauen besondere Frauen. Das erkannte schon Hoffmann von Fallersleben der unsere Frauen im in der zweiten, allerdings wenig bekannten, Strophe, des „Lieds der Deutschen“ würdigte.

Die besten Fans sind wir Deutschen! Das wollen wir wieder beweisen. Irgendwie sind auch unsere Frauen in der AL/Grünen Gemeinderatsfraktion von dieser kollektiven Aufgabe beseelt worden und auf Initiative von Fraktionschefin  Uli Baumgärtner organisierte wie immer unsere unermüdliche Bürofachkraft Stella Tauber der eigentlich der Titel „Schafferin und Macherin“ zusteht, das mir und vielen anderen unbekannte Lokal „Africa“ als Austragungsort des ersten Al/Grünen Fußball Public Viewing. Susanne Bächer gestaltete eine sehr schöne Werbekarte und Evelyn Ellwart-Mitsanas verwirklichte den Druck derselben.

Bei so viel Frauenpower können und wollen auch wir Männer unseren Teil beitragen. Wir sind ja schließlich Experten und Fußballfans. Die Aufgabe lautet:„Auf ins „Africa“, die Frauen anfeuern und denen zum Sieg verhelfen“. Zur Belohnung für unseren Beistand erwarten wir natürlich auch das Sehen von gelungenen Spielzügen, viele Tore und attraktiven Mädels. Egal ob auf dem Spielfeld oder in der Fankurve.

Als Verstärkung wollte ich natürlich wie immer die ganze Familie einspannen. Meine Familie ist ja schließlich turniererprobt. Nicht überrascht war ich, daß unsere wenig sportliches Interesse zeigende Sohn Friedrich (16 Jahre) gleich erklärte das er nicht zum Eröffnungsspiel mitkommen werden. Absolut unverständlich und in keinster Weise nachvollziehbar war für mich jedoch die Weigerung unseres jüngeren Sohn Julius (13 Jahre) sein DFB Trikot anzuziehen. Julius ist absolut fußballverrückt und kann nicht nur wirklich kicken (spielt beim SV03 in der Abwehr der C-Jugend) sondern ist auch absoluter Fußballexperte der detailliert das nationale und internationale Fußballgeschehen, zu Lasten seine schulischen Engagements, verfolgt und analysiert.

Julius schaut die Spiele des VfB grundsätzlich zu Hause, wie im Stadion im VfB Trikot an und wurde bisher natürlich auch immer wieder, wie sein Bruder Friedrich mit einem passenden und aktuellen Dress unserer Deutschen Nationalmannschaft, ausgestattet. Julius meinte, das wäre nicht der richtige Fußball und er findet es doof wenn er mit seinem Trikot das mit dem Spielernamen „Lahm“ versehen ist, jetzt zum Frauenfußball geht. Trotz harter und intensiver Diskussion konnte ich mich nicht durchsetzten und Julius ging mit einen neutralen T-Shirt bekleidet mit Jutta und mir ins „Africa“.

Dort war ich gleich mehrfach positiv überrascht. Zum einen stellte sich heraus dass die Lokalität hervorragend für Public Viewing geeignet ist und gut besucht war, dass hinterm Tressen ein alter Feuerwehrkamerad aus Lustnau bediente was ich in einem afrikanischen Lokal nicht vermutet hätte, das die Stimmung bei den vielen anwesenden weiblichen und männlichen Fans hervorragend war und dass unsere Frauen tollen Fußball spielen können.

Anwesend war natürlich auch mein, zwar schwergewichtiger aber dafür Fußball spielen könnender Kollege, Stadtrat Heinrich Schmanns. Ex-Handballer Heinrich und der ehemalige Handballschiedsrichter und jetzige Grüne Landtagsabgeordnete Danie Lede Abal begrüßten die Anwesenden.

Heinrich war auch nicht alleine da. Er brachte Sohn Paul mit. Interessant, im Hause Schmanns muß es eine ähnliche Diskussion gegeben haben, denn Heinrichs Sohn Paul ist ebenfalls ohne DFB Trikot zum Gucken gekommen. Heinrich war dafür im WM Retrodress von 1954 da und ich mit der Nummer 14 und „Schroeder“ auf dem Rücken des 2010 Weltmeisterschafts Trikot. Wir beide sind ja schließlich Fußballpatrioten.

Während die Mädels in Berlin im ausverkauften Olympiastadion herrlichen Fußball zeigten und wir Fans in Tübingen beglückt zuschauten, kamen mir immer wieder unbeantwortete Fragen in den Sinn:

Gibt es eine Fußballpatriotismus männlich oder weiblich?
Macht es einen Unterschied ob das Adlertrikot eine haarige Männerbrust verdeckt oder einen anmutigen Busen?
Warum gibt es so eine Diskussion beim Fußball?

Und noch eine überraschende Frage zeigte sich beim Heimradeln vom siegreichen Spiel, dem auch Experte Julius seinen Segen gab, durch die Stadt. Wo ist der hupende und jubelnde Autokorso? Nur ein Auto ist uns begegnet das einsam an einer roten Ampel stand mit ein paar hilflos wirkenden Insassen die uns zaghaft ihren Fähnchen zuwinkten.

Und auf eine weitere, hoffentlich kommende biologische Frage bin ich persönlich auch gespannt. Werde ich beim Gewinn des dritten Weltmeistertitels unserer Frauen, wenn unsere  Spielerinnen den Pokal in den Händen halten und Deutschland in einem Schwarz-Rot-Goldenen Freudentaumel versinkt, weinen müssen?

Verdammt lang her, damals 1990 als nach Mauerfall und Wiedervereinigung wir Männer zur Krönung auch noch Fußballweltmeister wurden. War das ein Jubel, war das ein Glück. Allein die Erinnerungen an dieses unbeschreibliche und erhabene Gefühl reicht um mir die Tränen in die Augen zu drücken.

bernd.gugel@al.gruene.de

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Frauen-WM Live im Africa

Es geht weiter!!!!!

Am Samstag, den 9. Juli um 20.45 Uhr im „Africa“!

Wir laden herzlich ein zum gemeinsamen Schauen und Feiern der deutschen Fußball-Frauen! Und zwar ins „Africa“, Schlachthof Tübingen.

Am Sonntag, den 26.6. um 18 Uhr.

Am Donnerstag, den 30.6. um 20. 45 Uhr.

Am Dienstag, den 5. Juli um 20.45 Uhr.

Und natürlich zu allen Folgespielen der siegreichen deutschen Super-Spielerinnen!

Zu allem bietet das „Africa“ Leckeres vom Live-Grill!

evelyn.ellwart@al.gruene.de

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