Der schönste Radweg?

Zurück aus dem Familiensommerurlaub 2011 gilt es die vielen Erlebnisse zu verarbeiten und ein Eindruck ist auch aus grüner Sicht absolut interessant. Den schönsten, spektakulärsten und ungewöhnlichsten Rad- und Gehweg den ich (wir) kennen. Wird Italien grüner?

Bei uns geht es immer in die Berge und an Meer. Und jedes Jahr gibt es etwas Neues zu entdecken. So auch dieses Jahr als wir nach einer guten Woche in den Dolomiten von Cortina d’Ampezzo, wo wir Mountainbiken, Wandern und Klettern waren, mal wieder nach Levanto an die Ligurische Küste fuhren, um dort das Urlaubsprogramm noch für einige Tage mit Baden, Schnorcheln, Tauchen, Wellensurven zu ergänzen. http://de.wikipedia.org/wiki/Levanto

Levanto ist ein herrliches Urlaubsdomizil für ein vielseitiges, sportives Programm auf kleinstem Raum, aber auch einfach zum Erholung mit viel italienischem Flair. Deshalb sind wir dieses Jahr bereits zum fünften Mal dort hingefahren.

Seit letztem Jahr hat Levanto aber auch noch ein neues Erlebnis zu bieten. Diesen genialen  Rad/Gehweg auf einer seit langem stillgelegten Bahnlinie, direkt entlang der Küste mit Tunnels, ruhigen Badestellen und tollen Ausblicken auf das Meer, der jetzt drei, durch hohe Berge getrennte Küstenorte, autofrei verbindet.

Die ganze, ungemein bergige Ligurische Küste ist sehr gut von Genua aus in Richtung Westen nach Frankreich, aber auch in Richtung Süden in die Toskana durch eine vielbefahrene und gut ausgebaute Bahnlinie erschlossen. Aufgrund der Topografie hat die Bahnverbindung in manchen Abschnitten jedoch den Charakter einer U-Bahn da die Strecke überwiegend in Tunnels verläuft und nur Gelegentlich in Buchten das Tageslicht erblickt. Ganz besonders im Bereich nördlich und südlich von Levanto. Weit bekannt ist durch viele Kalendermotive der Abschnitt des Cinque Terre.

Als in den 60er Jahren dieser Streckenabschnitt durch neue, größere und zweigleisige Tunnels ausgebaut wurde, wurde der Verlauf der Bahnlinie teils auch weiter ins Landesinnere verlegt, wodurch 1970 einige Tunnels direkt an der Küste für die Eisenbahn nicht mehr benötigt wurden. Diese vergammelten, verfielen  oder wurden für Autos, durch Ampeln gesteuerten Einbahnstraßenverkehr, umgenutzt.

Die Tunnelstrecke von Levanto via Bonnasola nach Framura wurde komplett stillgelegt und verrottete, wie auch die angrenzenden Abschnitte in den genannten Orten. So trafen wir 1999, bei unserem ersten Aufenthalt in Levanto, die Tunnels und die angrenzende Hafengegend an. Abstoßende, vernachlässigte Randbezirke der Stadt.

Und wer beispielsweise von Levanto in den Nachbarort nach Bonnasola wollte der musste entweder per Bahn durch den neuen Tunnel, oder umständlich per Auto über eine sehr kurvige, steile Serpentinenstraße den die Orte trennenden Berg überqueren. Rund sieben Kilometer Autofahrt mit rund 200 Höhenmeter um letztlich den nur knapp zwei Kilometer entfernten Nachbarort zu erreichen.

Per Fahrrad ist diese Strecke nur gut trainierten Radfahrerinnen und Radfahrern zu empfehlen. Noch extremer  ist die Tour zum übernächsten Ort Framura. Nur was für ausdauernde Radsportenthusiasten die Berge lieben.

Mit dem Zustand dieses Quartiers sowie der Verkehrsverbindung waren die Menschen in Levanto wohl nicht zufrieden. Und 2010 gab es für uns im Levanto Urlaub die Überraschung.

Die Tunnels von Levanto nach Bonnasola wurden neu gesichert und zum Rad/Gehweg ausgebaut und umfunktioniert. Dieses Jahr noch die weiteren 2,5km nach Framura. Insgesamt stehen jetzt fünf Kilometer Streckengenuß zur Verfügung.

Die einheimische Bevölkerung und die Touristen haben den Weg absolut positiv aufgenommen. Für praktische Dinge wie Besorgungen zu erledigen, zu Besuchen, zur Fahrt an herrliche und ruhige Badebuchten. Das Fahrrad hat sich in den letzten Jahren sowieso zum bevorzugten Fortbewegungsmittel für viele entwickelt. Alle Orte haben mittlerweile eine Fußgängerzone in der Radfahren erlaubt. Und wer keins hat der leiht sich eines. Auch diese Brache ist entstanden, genauso wie neue Fahrradgeschäfte. Selbst die tössenden und stinkenden Mofas und Mopeds scheinen immer mehr verdrängt zu werden.

Autofahren ist umständlich und zudem herrscht ein massiver Mangel an Parkplätzen. Die wenigen Stellplätze sind selbstverständlich gebührenplichtig. Bei 1,80 Euro pro Stunde und bei Missbrauch saftigen Strafzetteln zudem alles andere als preiswert.

Die Tunnelstrecke dient aber auch dem Sport. Inliner sind zu sehen, Rennradfahrer die sich flach für die bergigen Strecken einrollen und sehr viele Jogger. Denn die Tunnelstrecke ist die einzigste Möglichkeit mal mehrere Kilometer lang flach und kühl zu laufen. Ich habe dort letztes und dieses Jahr, Tempo Lauftraining für den Stadtlauf gemacht. Draußen 30 Grad und mehr, im Tunnel angenehm kühl. Da kann man’s laufen lassen!

Und noch eine weitere Verschönerung und Verbesserung gibt es. Das baufällige Tunnelviadukt am Hafen wurde zu einem mehrstöckigen Geschäftsbau umgebaut und völlig neu gestaltet. Oben der Rad- und Gehweg. Ergänzt mit einer Aussichtsplattform zum flanieren und einer in Italien einfach notwendigen Bar für Cafe, Snacks und Erfrischungen. Im darunter liegenden Stockwerk Geschäfte jeglicher Art und noch weiter unten im Erdgeschoß verschiedene Hafeneinrichtungen, aber auch zwei Tauchbasen (seit Jahren tauche ich bei Dario Ferraris, Punta Mesco Divingcenter), sanitäre und technische Einrichtungen sowie eine Tiefgarage. www.levantowaterfront.it/PDF/levantowaterfront_DEU.pdf

Was soll ich viel schreiben, am besten die Bilder anschauen oder gleich hinfahren. Kann man (frau) auch per Bahn nach Levanto. Und vor Ort ist ein Auto absolut nicht notwendig, eher hinderlich. Alle dortigen Schönheiten sind per Bahn, Schiff, Rad und zu Fuß erreichbar.

bernd.gugel@al.gruene.de

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