Stadtplanung in Tübingen: Tadel und Lob

Als GemeindeRätinnen bekommen wir hin und wieder Emails von BürgerInnen oder AnwohnerInnen, die mit den geplanten Umbauten oder Neubauten in ihrer Nachbarschaft gar nicht einverstanden sind. In dem Zusammenhang gibt es dann heftige Kritik an der Stadtplanung in Tübingen.
Letzten Dienstag, am 5. November 2013, war es einmal anders; da wurde das Loblied auf die Tübinger Stadtplanung gesungen.
An diesem Tag hat die Bundesstiftung Baukultur – unterstützt von IHK und Architektenkammer – eine Exkursion nach Tübingen unternommen, und zwar im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „Wieweiterarbeiten – Arbeitsorte der Zukunft “
Ca. 90 ArchitektInnen, StadtplanerInnen und Interessierte besuchten zwei Gewerbebauten im Schönbuch und dann in Tübingen das Französische Viertel und das Mühlenviertel – beides Beispiele für Gebiete, in denen sowohl Wohnen als auch Arbeiten Platz findet. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion am Abend im Casino unterhielten sich Vertreter der Bundesstiftung, der IHK und der Architektenkammer, eine Architektin und unser Baubürgermeister miteinander. Tübingen sei ein Musterschüler in Sachen Stadtplanung, meinte die Moderatorin des Gesprächs, Sandra Müller vom SWR, gleich eingangs.
Der Baubürgermeister Cord Soehlke stellte die wichtigsten Tübinger Strategien und einige Projekte der Stadtplanung kurz vor. Nutzungsmischung war eines seiner Stichworte. Angesichts der knappen Flächen sei Nachverdichtung angesagt. („Flächenmangel reizt die Qualität heraus, denn da muss man sich mehr Gedanken machen!“)
Er betonte, dass er Gewerbegebiete nicht isoliert betrachten möchte. Auch sie seien Teil der Stadt, auch sie seien Orte zum Leben. Für eine Identifikation mit einem Gebiet spiele es auch eine wichtige Rolle, wie der öffentliche Raum gestaltet sei. Außerhalb sei Tübingen vor allem wegen seiner Baugruppen bekannt, meinte Reiner Nagel von der Bundesstiftung Baukultur. (Die Stadt bzw. die städtische Tochter WIT kauft die zu entwickelnden Gebiete und gibt sie gezielt an Baugruppen weiter; sie will dabei nicht den höchsten finanziellen Gewinn, sondern ein lebendiges Quartier ermöglichen.) Die neuen Entwicklungsgebiete hätten eine Qualität, von der andre Städte nur träumen könnten. Interessante Freiräume seien in Zukunft viel wichtiger als Repräsentation. Nagel lobte Tübingen auch für den Mut, Mischgebiete auszuweisen, in denen sowohl Wohnen als auch Arbeiten stattfindet. Andre Städte trauten sich oft nicht, Mischgebiete festzulegen, u.a. weil potenzielle Investoren und Bauträger das nicht schätzten – für sie würde die Mischung viel mehr Aufwand bedeuten. Sie sei in einem reinen Wohngebiet aufgewachsen, Arbeiten und Geldverdienen habe irgendwo anders stattgefunden, meinte die Architektin Maren Dannien. Erst im Zusammenhang mit ihrer Ausbildung habe sie die Arbeitswelt kennen gelernt. Sie ist überzeugt davon, dass man beides an vielen Orten miteinander kombinieren kann. Begegnungsräume seien immer besonders spannend.

Der Präsident der IHK, Christian O. Erbe, warb für die Region, für Tübingen und für sein Unternehmen, das Medizintechnik herstellt und derzeit im Steinlachtal erweitert. Dort steht nicht mehr viel Platz zur Verfügung. Statt sich in die Fläche auszubreiten, wie das in anderen Regionen vielleicht die Regel sei, müsse er sich der Herausforderung stellen, seine Gebäude platzsparend, also mehrstöckig zu bauen. Angesichts des kommenden Fachkräftemangels spiele eine gute Architektur, in der sich die Mitarbeitenden wohl fühlen können, eine immer größere Rolle auch für Unternehmen, sagte Erbe. Tübingen sei für seine Firma der ideale Standort, meinte er und wies nebenbei darauf hin, dass Tübingen inzwischen mehr Gewerbesteuereinnahmen hat als Reutlingen. Wolfgang Riehle von der Architektenkammer betonte abschließend die Bedeutung von Wettbewerben. Ein Instrument, extra erdacht, um gute Stadtplanung und Architektur zu fördern.

Der Anfangsthese, Tübingen sei ein Musterschüler in Sachen Stadtplanung, hat an diesem Abend niemand widersprochen.

susanne.baecher@al.gruene.de

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Tü-Bus für alle!

Die Diskussion zur Finanzierung des TüBus hat hohe Wellen geschlagen. So kam beispielsweise auch im „Spiegel“ ein grosser Bericht. Hierin kündigt Boris Palmer an, dass er eine City-Maut geeignet findet, den TüBus für alle zu finanzieren. Mit einem Euro pro Einfahrt in die Stadt könnten 20 Millionen Euro erwirtschaftet werden. Und für 2014 plant er einen Bürgerentscheid dazu. Interessant! Ich persönlich bin skeptisch, ob das der richtige Weg ist. Klar, das grosse Problem des Tübinger Autoverkehrs sind die Pendlerinnen und Pendler. Hier setze ich aber eher auf die Regiostadtbahn und übergangsweise auf ein Jobticket für die Klinikangestellten. Einnahmen aus einer City-Maut für einen TüBus zu verwenden, der für die NutzerInnen dann wirklich umsonst ist setzt das Signal: Liebe AutofahrerInnen, wenn ihr schon die Umwelt versaut, zahlt wenigstens für unseren Bus! Das finde ich nicht richtig und untergräbt die Idee eines Bürgerbusses: alle finanzieren mit, dann bestimmen auch alle mit wo Linien ausgebaut werden.

ulrike.baumgaertner@al.gruene.de

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Der schönste Radweg?

Zurück aus dem Familiensommerurlaub 2011 gilt es die vielen Erlebnisse zu verarbeiten und ein Eindruck ist auch aus grüner Sicht absolut interessant. Den schönsten, spektakulärsten und ungewöhnlichsten Rad- und Gehweg den ich (wir) kennen. Wird Italien grüner?

Bei uns geht es immer in die Berge und an Meer. Und jedes Jahr gibt es etwas Neues zu entdecken. So auch dieses Jahr als wir nach einer guten Woche in den Dolomiten von Cortina d’Ampezzo, wo wir Mountainbiken, Wandern und Klettern waren, mal wieder nach Levanto an die Ligurische Küste fuhren, um dort das Urlaubsprogramm noch für einige Tage mit Baden, Schnorcheln, Tauchen, Wellensurven zu ergänzen. http://de.wikipedia.org/wiki/Levanto

Levanto ist ein herrliches Urlaubsdomizil für ein vielseitiges, sportives Programm auf kleinstem Raum, aber auch einfach zum Erholung mit viel italienischem Flair. Deshalb sind wir dieses Jahr bereits zum fünften Mal dort hingefahren.

Seit letztem Jahr hat Levanto aber auch noch ein neues Erlebnis zu bieten. Diesen genialen  Rad/Gehweg auf einer seit langem stillgelegten Bahnlinie, direkt entlang der Küste mit Tunnels, ruhigen Badestellen und tollen Ausblicken auf das Meer, der jetzt drei, durch hohe Berge getrennte Küstenorte, autofrei verbindet.

Die ganze, ungemein bergige Ligurische Küste ist sehr gut von Genua aus in Richtung Westen nach Frankreich, aber auch in Richtung Süden in die Toskana durch eine vielbefahrene und gut ausgebaute Bahnlinie erschlossen. Aufgrund der Topografie hat die Bahnverbindung in manchen Abschnitten jedoch den Charakter einer U-Bahn da die Strecke überwiegend in Tunnels verläuft und nur Gelegentlich in Buchten das Tageslicht erblickt. Ganz besonders im Bereich nördlich und südlich von Levanto. Weit bekannt ist durch viele Kalendermotive der Abschnitt des Cinque Terre.

Als in den 60er Jahren dieser Streckenabschnitt durch neue, größere und zweigleisige Tunnels ausgebaut wurde, wurde der Verlauf der Bahnlinie teils auch weiter ins Landesinnere verlegt, wodurch 1970 einige Tunnels direkt an der Küste für die Eisenbahn nicht mehr benötigt wurden. Diese vergammelten, verfielen  oder wurden für Autos, durch Ampeln gesteuerten Einbahnstraßenverkehr, umgenutzt.

Die Tunnelstrecke von Levanto via Bonnasola nach Framura wurde komplett stillgelegt und verrottete, wie auch die angrenzenden Abschnitte in den genannten Orten. So trafen wir 1999, bei unserem ersten Aufenthalt in Levanto, die Tunnels und die angrenzende Hafengegend an. Abstoßende, vernachlässigte Randbezirke der Stadt.

Und wer beispielsweise von Levanto in den Nachbarort nach Bonnasola wollte der musste entweder per Bahn durch den neuen Tunnel, oder umständlich per Auto über eine sehr kurvige, steile Serpentinenstraße den die Orte trennenden Berg überqueren. Rund sieben Kilometer Autofahrt mit rund 200 Höhenmeter um letztlich den nur knapp zwei Kilometer entfernten Nachbarort zu erreichen.

Per Fahrrad ist diese Strecke nur gut trainierten Radfahrerinnen und Radfahrern zu empfehlen. Noch extremer  ist die Tour zum übernächsten Ort Framura. Nur was für ausdauernde Radsportenthusiasten die Berge lieben.

Mit dem Zustand dieses Quartiers sowie der Verkehrsverbindung waren die Menschen in Levanto wohl nicht zufrieden. Und 2010 gab es für uns im Levanto Urlaub die Überraschung.

Die Tunnels von Levanto nach Bonnasola wurden neu gesichert und zum Rad/Gehweg ausgebaut und umfunktioniert. Dieses Jahr noch die weiteren 2,5km nach Framura. Insgesamt stehen jetzt fünf Kilometer Streckengenuß zur Verfügung.

Die einheimische Bevölkerung und die Touristen haben den Weg absolut positiv aufgenommen. Für praktische Dinge wie Besorgungen zu erledigen, zu Besuchen, zur Fahrt an herrliche und ruhige Badebuchten. Das Fahrrad hat sich in den letzten Jahren sowieso zum bevorzugten Fortbewegungsmittel für viele entwickelt. Alle Orte haben mittlerweile eine Fußgängerzone in der Radfahren erlaubt. Und wer keins hat der leiht sich eines. Auch diese Brache ist entstanden, genauso wie neue Fahrradgeschäfte. Selbst die tössenden und stinkenden Mofas und Mopeds scheinen immer mehr verdrängt zu werden.

Autofahren ist umständlich und zudem herrscht ein massiver Mangel an Parkplätzen. Die wenigen Stellplätze sind selbstverständlich gebührenplichtig. Bei 1,80 Euro pro Stunde und bei Missbrauch saftigen Strafzetteln zudem alles andere als preiswert.

Die Tunnelstrecke dient aber auch dem Sport. Inliner sind zu sehen, Rennradfahrer die sich flach für die bergigen Strecken einrollen und sehr viele Jogger. Denn die Tunnelstrecke ist die einzigste Möglichkeit mal mehrere Kilometer lang flach und kühl zu laufen. Ich habe dort letztes und dieses Jahr, Tempo Lauftraining für den Stadtlauf gemacht. Draußen 30 Grad und mehr, im Tunnel angenehm kühl. Da kann man’s laufen lassen!

Und noch eine weitere Verschönerung und Verbesserung gibt es. Das baufällige Tunnelviadukt am Hafen wurde zu einem mehrstöckigen Geschäftsbau umgebaut und völlig neu gestaltet. Oben der Rad- und Gehweg. Ergänzt mit einer Aussichtsplattform zum flanieren und einer in Italien einfach notwendigen Bar für Cafe, Snacks und Erfrischungen. Im darunter liegenden Stockwerk Geschäfte jeglicher Art und noch weiter unten im Erdgeschoß verschiedene Hafeneinrichtungen, aber auch zwei Tauchbasen (seit Jahren tauche ich bei Dario Ferraris, Punta Mesco Divingcenter), sanitäre und technische Einrichtungen sowie eine Tiefgarage. www.levantowaterfront.it/PDF/levantowaterfront_DEU.pdf

Was soll ich viel schreiben, am besten die Bilder anschauen oder gleich hinfahren. Kann man (frau) auch per Bahn nach Levanto. Und vor Ort ist ein Auto absolut nicht notwendig, eher hinderlich. Alle dortigen Schönheiten sind per Bahn, Schiff, Rad und zu Fuß erreichbar.

bernd.gugel@al.gruene.de

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Frauenfußball – muß man(n) da beim Sieg weinen?

Ich gelte ja als der Sportler in der AL/Grünen Gemeinderatsfraktion und überhaupt im Gemeinderat, was aufgrund meiner sportlichen Aktivitäten auch berechtigt ist.

Als Triathlet der seit 1986 kontinuierlich jedes Jahr mehrere Wettkämpfe bestreitet und darunter schon 10 Mal über die Ironman Distanz gefinishet hat, im Herbst den Kick beim Mountainbiken auf kniffeligen Pfaden sucht, im Winter auf den Skatingski die Loipe entlang flizzt und auch sonst vor nichts zurückschreckt wenn Ausdauer notwendig ist, bin ich schon etwas anders als Andere drauf und muß mich mit meinen Leistungen nicht verstecken.

Aber, eigentlich kann ich sportlich nichts anderes als mich schinden und quälen um ins Ziel zu kommen und alles wozu man sportliches Geschick benötigt fällt mir schwer und ich mache nur eine bescheidene Figur.

Dem entsprechend wurden meine sportlichen Leistungen in der Schule immer mit „Leibesübung befriedigend“ bewertet und beim Straßenkicken  wollte mich keiner in der Mannschaft. Dennoch spielte (murkste) ich beim SV 03 Tübingen ich in der D und C Jugend in der Zweiten Mannschaft. Die Kickerei gab ich allerdings schnell auf was auch besser so war. Ein Comebackversuch, fast 30 Jahre später, beim einem Spiel der Reutlinger und Tübinger Politik gegen die Kultur, endete kläglich.

Im Gegensatz zu anderen Männern verfüge ich über keine „Bundestrainerqualitäten“ verfolge die Bundesliga nicht detailliert und mit fachmännischen Bemerkungen, kenne oftmals nicht einmal den genauen Tabellenstand und bin zugegeben nicht mal in der Lage die Spieler meines Lieblingsclubs, des FC Bayern München, zu nennen.

Aber, ich bin Patriot. Und zwar ein ganz Großer! Ich verfolge seit Kindheitstagen jedes EM- und WM Turnier, bewundere die Eleganz und das spielerische Geschick der Könner und bin beeindruckt von den Kommentaren der Experten. Ich selbst bin überaus emotional und daher von der Leidenschaft der Fans und der Atmosphäre in den Stadien berührt und beeindruckt.

Sternstunden meines Lebens waren als 1974 der Bomber (Gerd Müller) den Siegtreffer gegen die Holländer erzielte und Deutschland und somit auch ich, im zarten Alter von 12 Jahren schon Weltmeister wurde. Unvergesslich auch die Szene als 1990 in Rom Franz Beckenbauer, nach dem 1:0 Sieg im WM Endspiel gegen Argentinien, alleine über den heiligen Rasen schritt und ich erlebte wie der „Kaiser“ sich zum „unsterblichen deutschen Fußballgott“  erhob.

Als ich neulich eine Radtour an der Schweizer Grenze machte, dachte ich darüber nach warum ich die Stadt Singen kenne. Warum wohl? In diesem kleinen unscheinbaren Städtchen hielt, am 5. Juli 1954, der Sonderzug der unsere Helden, die das „Wunder von Bern“ vollbrachten, erstmals auf deutschem Boden. Und zigtausende Jubelten.

Ich will aber auch erwähnen dass ich zu den Traumatisierten gehöre die, 1978 live die „Schmach von Cordoba“ mitmachten und bis heute von diesem Spiel verfolgt werde. Noch immer meine ich den Jubel des Österreichischen Kommentators zu hören der glaubte „narrisch“ zu werden vor Glückseligkeit beim Sieg über uns „Piefkes“ . Es hat viele Jahre gedauert und viel Überwindung gekostet bis ich erstmals freiwillig die Österreichische Grenze zum Ski- und Radfahren überschritt. Inzwischen bin ich zweimaliger Finisher des Ironman Austria und war sogar zwei Mal zum Familienurlaub im Nachbarland und finde die Öschis mittlerweile teils gar nicht mal so unsympathisch. Aber beim Spiel unserer Mannschaft gegen die Österreicher endet das bisschen Symphatie. Verlieren gehört auch zum Fußball. Egal gegen wen? Von mir aus sollen auch mal andere gegen uns gewinnen dürfen, bei Freundschaftsspielen und wenn’s für uns kein Problem ist. Nicht aber die „Schluchtenscheißer“. Die nicht! Nie wieder verlieren gegen Österreich. Bitte, nie wieder!

Frauenfußball? Stimmt,  den soll es auch geben.

Eigentlich logisch dass Frauen auch Fußball spielen können sollen, zwei Beine haben die ja auch. Und mit denen können die auch was anfangen, es gibt ja besipielsweise auch Frauen die Leichtathletik betreiben. Niemand findet das komisch und alle jubeln wenn die gewinnen.

Ich erinnere mich beispielsweise ganz positiv an meine ersten Frauensporterlebnisse während der Olympischen Spiele 1972 in München als Heide Rosendahl Gold im Weitsprung holte und die 16jährige Ulrike Meyfahrt sensationell den Hochsprung gewann. Da war ich im Fernsehen live, aber noch in Schwarz-Weiß dabei. Und Skifahren kann das zarte Geschlecht, wie ich 1976 lernte als unsere „Gold Rosi“ in Innsbruck die damals noch geteilte Nation bei der Winterolympiade mit zwei Mal Gold und einmal Silber im Ski Alpin beglückte, während die Männer jahrzehntelang nur hinterher rutschten. Und Steffi und Boris. Ach, war das ein badisches und symphatisches Doppelglück. Unser Tennis-Traumpaar um das uns die ganze Welt beneidet hat. Hätte Boris noch die Steffi geheiratet wäre alles super perfekt gewesen.

Aber, Frauen und Fußball?
Gehört habe ich davon erstmalig als im Ortsteil Unterjesingen irgendwann in den 80er Jahren die Frauen das Runde ins Eckige gebracht haben sollen. Einen Kalender haben die von sich drucken lassen und haben wohl, ich habe ihn leider nicht gesehen, darauf gut ausgesehen!

Ach ja, Witze habe ich gehört von „kickenden Mannsweibern“ und „Trikottausch“ und so Sachen.  Die Witze habe ich vergessen. Nicht vergessen habe ich allerdings dass die Mädels im Mädelwettbewerb sogar Weltmeisterinnen geworden sind. Und das gleich zwei Mal und sogar hintereinander. Nicht schlecht. Ich muß allerdings ehrlich zugeben dass ich diese Turniere nur am Rand verfolgt habe. Da wurde auch nicht so viel in der Glotze gezeigt. Immerhin, unsere Frauen sind fast so gut wie unsere Männer. Deren Trikot wird allerdings von drei WM Sterne geziert und gäbe es Vize-WM Sterne würde die Brustbreite gar nicht ausreichen. So toll sind wir!

Und jetzt wird die Frauenfußball  Weltmeisterschaft in Deutschland ausgetragen. Im Land des „Sommermärchens 2006“. Bei uns Perfektionisten, den Weltbesten in der Organisation von Großveranstaltungen. Da wollen wir und da werden wir wieder beweisen: wir können nicht nur organisieren, unsere Frauen können auch spielen und siegen. Unsere Frauen werden das Tripel perfekt machen, also drei Mal hintereinander den Titel holen. Schließlich sind unsere Frauen besondere Frauen. Das erkannte schon Hoffmann von Fallersleben der unsere Frauen im in der zweiten, allerdings wenig bekannten, Strophe, des „Lieds der Deutschen“ würdigte.

Die besten Fans sind wir Deutschen! Das wollen wir wieder beweisen. Irgendwie sind auch unsere Frauen in der AL/Grünen Gemeinderatsfraktion von dieser kollektiven Aufgabe beseelt worden und auf Initiative von Fraktionschefin  Uli Baumgärtner organisierte wie immer unsere unermüdliche Bürofachkraft Stella Tauber der eigentlich der Titel „Schafferin und Macherin“ zusteht, das mir und vielen anderen unbekannte Lokal „Africa“ als Austragungsort des ersten Al/Grünen Fußball Public Viewing. Susanne Bächer gestaltete eine sehr schöne Werbekarte und Evelyn Ellwart-Mitsanas verwirklichte den Druck derselben.

Bei so viel Frauenpower können und wollen auch wir Männer unseren Teil beitragen. Wir sind ja schließlich Experten und Fußballfans. Die Aufgabe lautet:„Auf ins „Africa“, die Frauen anfeuern und denen zum Sieg verhelfen“. Zur Belohnung für unseren Beistand erwarten wir natürlich auch das Sehen von gelungenen Spielzügen, viele Tore und attraktiven Mädels. Egal ob auf dem Spielfeld oder in der Fankurve.

Als Verstärkung wollte ich natürlich wie immer die ganze Familie einspannen. Meine Familie ist ja schließlich turniererprobt. Nicht überrascht war ich, daß unsere wenig sportliches Interesse zeigende Sohn Friedrich (16 Jahre) gleich erklärte das er nicht zum Eröffnungsspiel mitkommen werden. Absolut unverständlich und in keinster Weise nachvollziehbar war für mich jedoch die Weigerung unseres jüngeren Sohn Julius (13 Jahre) sein DFB Trikot anzuziehen. Julius ist absolut fußballverrückt und kann nicht nur wirklich kicken (spielt beim SV03 in der Abwehr der C-Jugend) sondern ist auch absoluter Fußballexperte der detailliert das nationale und internationale Fußballgeschehen, zu Lasten seine schulischen Engagements, verfolgt und analysiert.

Julius schaut die Spiele des VfB grundsätzlich zu Hause, wie im Stadion im VfB Trikot an und wurde bisher natürlich auch immer wieder, wie sein Bruder Friedrich mit einem passenden und aktuellen Dress unserer Deutschen Nationalmannschaft, ausgestattet. Julius meinte, das wäre nicht der richtige Fußball und er findet es doof wenn er mit seinem Trikot das mit dem Spielernamen „Lahm“ versehen ist, jetzt zum Frauenfußball geht. Trotz harter und intensiver Diskussion konnte ich mich nicht durchsetzten und Julius ging mit einen neutralen T-Shirt bekleidet mit Jutta und mir ins „Africa“.

Dort war ich gleich mehrfach positiv überrascht. Zum einen stellte sich heraus dass die Lokalität hervorragend für Public Viewing geeignet ist und gut besucht war, dass hinterm Tressen ein alter Feuerwehrkamerad aus Lustnau bediente was ich in einem afrikanischen Lokal nicht vermutet hätte, das die Stimmung bei den vielen anwesenden weiblichen und männlichen Fans hervorragend war und dass unsere Frauen tollen Fußball spielen können.

Anwesend war natürlich auch mein, zwar schwergewichtiger aber dafür Fußball spielen könnender Kollege, Stadtrat Heinrich Schmanns. Ex-Handballer Heinrich und der ehemalige Handballschiedsrichter und jetzige Grüne Landtagsabgeordnete Danie Lede Abal begrüßten die Anwesenden.

Heinrich war auch nicht alleine da. Er brachte Sohn Paul mit. Interessant, im Hause Schmanns muß es eine ähnliche Diskussion gegeben haben, denn Heinrichs Sohn Paul ist ebenfalls ohne DFB Trikot zum Gucken gekommen. Heinrich war dafür im WM Retrodress von 1954 da und ich mit der Nummer 14 und „Schroeder“ auf dem Rücken des 2010 Weltmeisterschafts Trikot. Wir beide sind ja schließlich Fußballpatrioten.

Während die Mädels in Berlin im ausverkauften Olympiastadion herrlichen Fußball zeigten und wir Fans in Tübingen beglückt zuschauten, kamen mir immer wieder unbeantwortete Fragen in den Sinn:

Gibt es eine Fußballpatriotismus männlich oder weiblich?
Macht es einen Unterschied ob das Adlertrikot eine haarige Männerbrust verdeckt oder einen anmutigen Busen?
Warum gibt es so eine Diskussion beim Fußball?

Und noch eine überraschende Frage zeigte sich beim Heimradeln vom siegreichen Spiel, dem auch Experte Julius seinen Segen gab, durch die Stadt. Wo ist der hupende und jubelnde Autokorso? Nur ein Auto ist uns begegnet das einsam an einer roten Ampel stand mit ein paar hilflos wirkenden Insassen die uns zaghaft ihren Fähnchen zuwinkten.

Und auf eine weitere, hoffentlich kommende biologische Frage bin ich persönlich auch gespannt. Werde ich beim Gewinn des dritten Weltmeistertitels unserer Frauen, wenn unsere  Spielerinnen den Pokal in den Händen halten und Deutschland in einem Schwarz-Rot-Goldenen Freudentaumel versinkt, weinen müssen?

Verdammt lang her, damals 1990 als nach Mauerfall und Wiedervereinigung wir Männer zur Krönung auch noch Fußballweltmeister wurden. War das ein Jubel, war das ein Glück. Allein die Erinnerungen an dieses unbeschreibliche und erhabene Gefühl reicht um mir die Tränen in die Augen zu drücken.

bernd.gugel@al.gruene.de

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Frauen-WM Live im Africa

Es geht weiter!!!!!

Am Samstag, den 9. Juli um 20.45 Uhr im „Africa“!

Wir laden herzlich ein zum gemeinsamen Schauen und Feiern der deutschen Fußball-Frauen! Und zwar ins „Africa“, Schlachthof Tübingen.

Am Sonntag, den 26.6. um 18 Uhr.

Am Donnerstag, den 30.6. um 20. 45 Uhr.

Am Dienstag, den 5. Juli um 20.45 Uhr.

Und natürlich zu allen Folgespielen der siegreichen deutschen Super-Spielerinnen!

Zu allem bietet das „Africa“ Leckeres vom Live-Grill!

evelyn.ellwart@al.gruene.de

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Aktionstag Unser Neckar

Zum Aktionstag Unser Neckar lud gestern am 19.6. der Landkreis, insbesondere zu Radtouren mit VertreterInnen der Politik. Von den Rathäusern in Rottenburg und Tübingen aus ging es um 11 Uhr los in Richtung Hirschauer Wehr. Der Gemeinderat Tübingen hatte unseren Bruno Gebhart-Pietzsch als Vertreter entsandt.

Die TeilnehmerInnen kurz vor der Abfahrt am Tübinger Rathaus.

Die TeilnehmerInnen kurz vor der Abfahrt am Tübinger Rathaus.

Am Wehr in Hirschau.

Am Wehr in Hirschau.

Am Wehr in Hirschau, Bruno und Helena.

Am Wehr in Hirschau, Bruno und Helena.

Bruno in der Menschenmenge an den Tischen der Narrenzunft Obernau.

Bruno in der Menschenmenge an den Tischen der Narrenzunft Obernau.

Was uns wunderte: am Tübinger Rathaus war niemand da. Wir radelten trotzdem. Das Wetter war prächtig, der Radweg am Neckar leer und am Hirschauer Wehr gabs Kaffee und Kuchen von der Oberndorfer Narrenzunft und Flammkuchen vom Sonnenzentrum. Lecker. Tochter Helena hat das Ökomobil gefallen, das das Thema Biber kindgerecht und spannend nahebrachte. Wer will, kann es für eine Kindergruppe mieten. Er muss nur rechtzeitig dran sein, dieses Jahr ist es schon ausgebucht.

evelyn.ellwart@al.gruene.de

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Mobil für Mobilität

Unsere Aktion zugunsten der Weilheimer Flüchtlinge in dieser Woche war erfolgreich. Von Mittwoch 15.6. bis Samstag 18.6. waren wir  jeden Tag von 10-12 Uhr mit unserem S.O.S.-Stand (siehe diesen Artikel)  auf dem Tübinger Marktplatz präsent.  Viele Räder sind abgegeben worden, noch mehr Zusagen gab es, in Zukunft das übrige Rad im Asylzentrum vorbei zu bringen. Es gab viel Lob für die Aktion, aber auch Betroffenheit über die Situation der Flüchtlinge und die Gemeinheit der Rad-Vandalen.

In meinem fairen Kaufladen in der Marktgasse 12 in Tübingen können auch in den nächsten Wochen nicht mehr benötigte funktionstüchtige Fahrräder abgegeben werden und zwar täglich von 10 bis 18 Uhr.

bruno.gebhart-pietzsch@al.gruene.de

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